Verlust

Verlust ist zunächst ein unangenehmes Wort, das unangenehme Gedanken auslösen kann. Verlust ist ein Thema, dass einem Menschen in seinem Leben früher oder später begegnen wird. Natürlich sind Verluste schon in unserer Kindheit spürbar, doch nur wenige erfahren ihn so massiv, dass er sie ein Leben lang prägen wird.

Der Verlust eines nahen Verwandten, Freundes oder Elternteil, in jungen Jahren, ist dabei sicher der einschneidendste Verlust und prägt unser Leben länger, als wir uns vorstellen können.

Eine Form von Verlust kann auch eine ungesunde Bindung sein, die ambivalente Verhaltensweisen in uns hervorruft. Da wir den erlebten Verlust von Kontrolle, oder Bindung, vermeiden wollen, indem wir schon bei bestimmten Situationen in die Distanz gehen und uns schützen. Dies erfolgt meist unbewusst.

Wir erleben den Verlust unserer Welt, wie wir sie kannten, in diesen Zeiten, ganz besonders nah. Das wirkt sich besonders auf unser mentales Empfinden aus, wenn wir bei dem Thema Verlust bereits vorbelastet sind. Vielleicht reagieren wir mit permanenter Anspannung, weil wir diesen schleichenden Kontrollverlust wahrnehmen und versuchen auszuharren, bis diese Pandemie vorbei und unser Leben wie gewohnt weiter gehen kann.

Vielleicht gelingt es uns aber auch besser, uns mit dieser Situation zu arrangieren, da wir diesen Verlust annehmen können und wissen, dass er unser Leben zwar verändert, aber im Loslassen unserer alten Situation, etwas Neues empfangen können.

All diese Dinge sind ein Prozess, an dem wir als Gesellschaft teilnehmen. Jeder auf seine Weise. Dann wird von Verlust der Demokratie gesprochen. Wir sind tief verunsichert, inwiefern uns diese Beschneidung unserer Freiheit und die Maßnahmen, verändern werden. Was bleiben wird und was sich für immer verändern wird, ist nur wie in einem Nebel wahrnehmbar.

Verlust zu bewältigen und auszuhalten, ist ein Thema, dass wenig in unserer Gesellschaft wahrgenommen wird. Wir neigen dazu, in den meisten Bereichen für Kontrolle und weitgehende Selbstbestimmung zu sorgen. Diese Entwicklung wird immer weiter vorangetrieben, wir bestimmen wann und wie unsere Kinder entbunden werden, wie unsere Partner zu sein haben, wo und mit wem wir leben und was wir erreichen wollen.

Das Leben bedeutet Verlust. Der Schmerz, der daraus entsteht, ist Teil unseres Reifeprozesses. Wenn wir gelernt haben, loszulassen und anzunehmen, werden wir Heilung erfahren und der Schmerz wird verarbeitet werden können. Wenn wir das nicht akzeptieren wollen, wird dieser Schmerz in uns arbeiten und uns zu Handlungen und Verhaltensweisen verleiten, die in und an uns mehr Schaden verursachen und in eine größere Unfreiheit führen, als wir ertragen sollten.

Wir bemerken häufig nicht, wo in diesem Prozess wir stecken. Manchmal gelingt es uns gut loszulassen, manchmal stecken wir fest und benötigen Hilfe von außen. Wir müssen uns klar werden, dass wir einen gesunden Umgang mit diesem Thema finden sollten, da wir krank werden können und uns mehr schaden werden, wenn wir Verdrängung und Aktivismus wählen, um den Kontrollverlust und Schmerz nicht wahrnehmen zu wollen. Diese Reaktion kann eine zeitlang ganz richtig sein und uns helfen, wie eine erste Hilfe Maßnahme, die dazu beiträgt, den Verletzten aufzufangen und soweit zu stabilisieren, dass er zu einer umfassenden Behandlung transportiert und vorbereitet werden kann.

Mit unserer Seele sollten wir nicht anders umgehen. Wir können zunächst ein „Erste-Hilfe-Programm“ anwenden, aber eine umfassende Auseinandersetzung kann häufig erforderlich sein, um gesund zu werden und Heilung zu erfahren.

Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Wie gehst du mit Verlust um? Ist Verlust ein Thema, mit dem du schon als Kind konfrontiert warst?

#Verlust #Loslassen #Lebenwagen

Hunger

Seit einiger Zeit überlege ich mir, wann ich eine Zeit des Fastens einlegen könnte. Vorsorglich habe ich mir ein Fastepaket von Hildegard von Bingen bestellt, wodurch das Fasten kein kompletter Verzicht auf Nahrung bedeutet und lediglich Genussmittel und tierische Produkte ausgeschlossen werden. Hildegard von Bingen hat Nahrungsmittel ausgewählt, die eine Fastenkur unterstützen können und dem Körper helfen, besser zu Arbeiten.

Meine Tochter behauptete sofort, dass es sich bei dieser Fastenart eher um eine Diät handle, mein Partner wollte gänzlich, dass ich auf das Fasten verzichte, da er sich sorge, wie ich ohne Nahrung meinen Alltag bewältigen wolle.

Ja, so stoße ich bereits bei der Planung auf eine Menge Widerstand und mir wird klar, es ist gar nicht so leicht für mich, eine Fastenzeit einzulegen, wenn ich die Verantwortung für so einige Bereiche nicht abgeben und vernachlässigen möchte.

Eine Erklärung zum Begriff des Fastens finden wir in Wikipedia: Fasten, als christlicher Begriff, das „(fest)halten, streng beobachten, bewachen“, der Gebote der Enthaltsamkeit.

Es ist grade jetzt eine gute Zeit zu Fasten. Wir stecken mitten in einer Krise und wissen nicht, wie sich diese Zeiten auf unser Leben auswirken werden. Wir sind gezwungen auf Lebensbereiche zu verzichten, die zu Entspannung und Wohlbefinden beigetragen haben. Ein großer Teil, unseres selbstverständlichen Wohlstands, ist nun nicht mehr zugänglich.

Viele Ablenkungen und Begegnungen sind in weite Ferne gerückt.

Wir sind antriebslos, verwirrt, verunsichert, oder wütend, weil wir bewältigen müssen, was da gerade mit uns passiert, was wir nicht steuern können. Wir haben Hunger nach Sicherheit, Gewissheit, Erklärungen, Strategien und unserem Leben, so wie wir es vor dieser Krise kennen. Unvorstellbar, was es bedeutet, dass wir diese Krise annehmen lernen sollen und unser Leben neu anpassen müssen.

Diese Auszeit konnten wir zu Beginn noch ganz gut integrieren. Wir haben uns im Homeoffice eingerichtet, sind Wandern gegangen, haben ausgemistet und von Weitem den Kopf geschüttelt, über die Italiener und Spanier, die mit einem kollabierendem Gesundheitssystem zurechtkommen mussten.

Auch das Fasten führt uns in eine harte Probe. Werden wir standhalten und uns mit der aufkommenden Unruhe und dem Unwohlsein zu Beginn arrangieren können?! Wie schwer fällt es uns aus eigenem Antrieb zu verzichten, wenn wir umgeben sind von Fülle und Wohlstand.?! Kennen wir den Genuss, eben diese Phase überwunden zu haben und an einen Punkt zu gelangen, wo wir uns gestärkt fühlen und befreit?!

Womit befriedigen wir unseren Hunger nach Lebendigkeit?! Was machen wir mit unserer Angst vor dem Unbekannten?! Stellen wir uns tot, kämpfen wir oder fliehen wir uns in Beschäftigungen, die uns ablenken?! All diese Dinge sind legitim und sinnvoll, bis zu einem gewissen Maß. Fasten ist nur eine Möglichkeit, mit dieser Krise umgehen zu lernen. Was ist deine Strategie?!

Womit füllen wir unsere Unruhe, unser Unbehagen und unseren Hunger?! Woran halten wir uns fest?!

#Krisenzeit #Fastenzeit #Hunger

Die „kleinen Dinge“

Menschen nehmen an, was sie aus ihren Erfahrungen gelernt und wie sie sich die Wirklichkeit angeeignet haben. Einige neigen dazu, bei schlechten Erfahrungen automatisch zu versuchen, so viel wie möglich im Voraus zu planen und kontrollieren. Dieses Verhalten kann sehr ungesund werden, wenn sie nicht erkennen, dass sie eben nicht in der Lage sind, alles zu kontrollieren. Die Dinge können sich unterschiedlich entwickeln und das Gefühl der Kontrolle kann irreführend sein und Entwicklungen sogar hemmen, anstatt sie voranzutreiben.

In der Erziehung von Kindern, nehme ich dieses Kontrollverhalten immer häufiger wahr. Egal in welchem Bereich, Eltern wollen die Kontrolle haben, sie wollen jede Fehlentwicklung vermeiden und nichts dem Zufall überlassen.

Das die Einstellung dieser Eltern, Kinder in die Defensive zwingt und sie durch die Entmündigung ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstwirklichkeit einbüßen, scheint nicht erkannt zu werden. Wenn etwas nicht gut läuft, sind gerne die anderen, oder das eigene Kind schuld.

Vertrauen ist eine wertvolle Fähigkeit, die ich dieser Entwicklung mal gegenüber stellen möchte. Vertrauen in mein Umfeld, meine Kinder, sogar die Politik.

Natürlich soll Vertrauen hier nicht gleichgesetzt werden mit Gleichgültigkeit und Ignoranz.

Die Themen, denen wir derzeit gegenüber stehen, mit denen wir zurechtkommen müssen, fordern uns stark die Orientierung nicht zu verlieren und zu erkennen welchem Weg wir folgen, wie wir uns positionieren, wem wir Vertrauen.

Meine Bekannte hat Personen in ihrem Umfeld gesucht, die einfach Lust und Interesse hätten, an einer kleinen Aktion teilzunehmen. Dabei geht es um kleine „Wichtelgeschenke“, in einem materiellen Wert von etwa 10 € zusammen zu stellen und an eine Person zu versenden, die uns die Bekannte als Kontakt zuschickt. Der Wert der Geschenke ist dabei eher unbedeutend, viel mehr geht es um die Geste, die Wertschätzung und liebevolle Gestaltung des Geschenkes, die ausschlaggebend sind und eine gute Stimmung rüberbringen sollen.

Photo by Giftpundits.com on Pexels.com

Es bleibt dabei nicht nur, dass wir ein Geschenk zusammenstellen, wir werden dann auch selber so ein Geschenk erhalten, wenn die Personen, die wir für die Aktion gewinnen, auch Personen gewinnen, die teilnehmen. Die Aktion hat keine kapitale Bedeutung, es ist eine kleine Geste, ein Freundschaftsdienst, etwas Abwechslung in dieser grauen Pandemiezeit.

Es geht dabei nicht um eine bestimmt Gruppe, die dieses Paket bekommen soll. Für Bedürftige hätte es durch ihre Lage vielleicht einen höheren Wert. Es geht nicht darum irgend einer Not zu begegnen, oder eine soziale Problemlage abzumildern. Nein, es ist keine dieser Aktionen, es geht nicht darum Spenden zu sammeln, Teil eines großen Projektes zu sein und einen tieferen Sinn zu erfahren, von dem wir dann berichten könnten. Die Aktion ist lediglich eine dieser „Kleinen Dinge“, die das Leben freundlich machen sollen, nicht mehr und nicht weniger.

Interessant finde ich dabei die Reaktion einiger Freundinnen und Bekannte, die die Aktion leider abgelehnt haben, aus Angst vor dem, was sie dabei erhalten könnten. Eine hat sogar Sorge, dass sie dadurch Ungeziefer in ihre Wohnung aufnimmt und etwas in einem Geschenk verdorben sein könnte. Natürlich ist ihre Sicht neutral betrachtet verständlich, ich will ihre Sorge keineswegs verspotten, finde es lediglich schade, wie solche Sorgen und Ängste Menschen abhalten, sich auf diese banale Aktion einzulassen.

Weiterhin sollte der Gedanke an dem, was dabei für mich „herausspringen“ mag nicht der Fokus sein, der mich leitet, wenn ich mich an einer Geschenke Aktion beteilige. Mir hat der Gedanke ausgesprochen gut gefallen, etwas besonders auszusuchen und zu hoffen, dass es der Person Freude bereitet und gefällt. Ich finde die Aktion passend für diese graue, angespannte Zeit, in der wir von Krankheit, Unsicherheit und Verzicht umgeben sind. Gerade jetzt ist ein wenig Leichtigkeit, Freude, Ablenkung und ein freundliches Wort, eine liebevolles Geschenk, Zuhören, Achtsamkeit, Anteilnahme unglaublich wertvoll.

Einige Bekannte berichteten mir, dass sie sehr gerne an dieser Aktion teilgenommen hätten, in ihrem Freundeskreis aber auf so viel Misstrauen, Ablehnung und Verachtung gestoßen sind, dass ihnen die eigene Freude an dieser Idee und der damit verbundenen Vorfreude daran, andere zu beschenken und sich auf einen ungewissen Austausch einzulassen, absolut vergangen ist.

Die wenigstens waren bereit sich einzulassen und konnten ohne Vorbehalte dieses Spiel als das sehen, was es eigentlich sein sollte, eine Geste der Freundlichkeit und des Miteinanders, in dem sich Menschen gegenseitig beschenken.

Es ist traurig, wie wenige Menschen heute noch frei sind, den Wert kleiner Gesten und Geschenke zu erfahren, da sie sofort damit rechnen, dass die Geste einen Haken haben müsse und sie in Gefahr sind.

Dennoch wünsche ich euch, den Zauber kleiner Gesten zu erleben und kleine Lichter anzuzünden, einander kleine Dienste zu erweisen. Sei es die aufgehaltene Tür, ein entgegengenommenes Paket, ein Lächeln, ein freundliches Wort, oder ein ernst gemeintes Kompliment. Für manche Menschen ist die Menschlichkeit überlebenswichtig, die sie vielleicht so lange schon nicht mehr erfahren haben.

Wann hast du zuletzt kleine Gesten verwendet, um einen Menschen zu vermitteln, dass er wertvoll ist?!

#Freundschaftsdienst #kleineDinge #Gesundheit #Mitmenschlichkeit

Pandemie der „guten Bürger“?!

Das Bedürfnis ein „guter Mensch“ zu sein, liegt in jedem von uns. Wir werden im Kindesalter bereits dahingehend erzogen, was als „gut“ und „böse“ zu berücksichtigen gilt. Je nach Charakter und Beziehung, fällt es uns leicht oder eben nicht, die Dinge so zu tun, wie sie gesellschaftlich als gut akzeptiert werden.

Die Gefahr dahinter ist, dass wir uns von dem, was mehrheitsbedingt unter dem, was logisch als gut eingeordnet wurde, in einem Spektrum bewegen, dass wir manche Dinge eventuell selber gar nicht wirklich als gut identifizieren könnten, wenn wir uns ausgiebig mit dem Thema auseinander setzen würden.

Wir merken also, dass es eine Dynamik hinter unserem Denken und unserer Wertvorstellung gibt. Wir wollen friedlich und in Harmonie leben und auch als Menschen erkannt werden, die Gutes bewirken und tun.

Wie kommt es dazu, dass Kinder beginnen, schlechtes zu tun, indem sie beginnen zu lügen, zu verheimlichen, oder sich zu Dingen hinreißen zu lassen, die eindeutig nicht unter die Kategorie „gut“ eingeordnet werden können?! Im Grunde ist ein Teil des Verhaltens genetisch bedingt, aber eben auch ein großer Teil soziales Lernen und Nachahmen unserer Bezugspersonen.

Kinder sind sehr von dem Verhalten ihrer Bezugspersonen geleitet, sie erkennen Dinge als richtig, die ihnen als richtig vermittelt werden. Die Vermittlung von Werten, die unsere Bezugspersonen ausrichten, wird unser Urteilsvermögen nachhaltig formen. Sie wird Ausschlag geben, über unsere Haltung und Einstellung gegenüber unserem Umfeld.

Wir müssen unterscheiden zwischen Sympathie und Antipathie. Erscheint uns ein Mensch sympathisch und genießt unser vertrauen, werden wir viel weniger sensibel auf die Dinge reagieren, die er erklärt, als bei einem Menschen, der eine gewisse Antipathie in uns auslöst. Unsere Toleranz ist sehr eingeschränkt, bei Menschen, die wir als fremd oder unsympathisch empfinden.

Bestimmte Symbole lösen bei uns Gedanken und Gefühle aus. Wir kategorisieren mehr, als wir uns bewusst sind. So kann ein Mensch aus einem bestimmten Herkunftsland, einer bestimmten Religion, einer bestimmten Gruppe, von uns als negativ bewertet werden und sich daraus eine ungerechte Handlung und Benachteiligung ergeben, obwohl dieses Verhalten nicht gerecht ist und von außen betrachtet als schlecht bewertet werden kann, ohne das wir es wirklich beabsichtigen.

Wir leben in einer komplexen Zeit und müssen Dinge bewerten und einordnen, die sich nicht für jeden gleich bewerten und einordnen lassen. Während es einigen Menschen leicht fällt, Maßnahmen zu befolgen und sie sich damit als Teil einer Gemeinschaft wahrnehmen, die solidarisch aufeinander achtet, sehen sich andere reglementiert und ziehen vielleicht Vergleiche zu den unserer Zeit vorausgegangenen Gemeinschaften, die Menschen ausgegrenzt und unter Zwang von ihrer Selbstbestimmung beraubt haben. Viele Menschen erleben die Maßnahmen, die sich aus unserer derzeitigen Krise ergeben, extrem und bedrohlich, während andere sich ohne Probleme damit arrangieren können.

Schwierig ist es dann, wenn jene Gruppen, die die Maßnahmen nur in ihrem Kontext betrachten können und denen die Ungewissheit der Entwicklung dieser Pandemie, mit all den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, keine Probleme bereitet, da sie abgesichert sind und stabil bleiben, die Gruppen verurteilen, die unter der Situation schlimmes Leid erfahren.

Wo bleibt die Verantwortung jener Menschen, die sich voll hinter die Maßnahmen stellen und andere, die sich damit nicht arrangieren wollen, als unvernünftig und negativ, erklären?!

Sind wir nicht ein Volk, dass sich zu einer selbstbestimmten und freien Gesellschaft bekennt und darauf stolz sind?! Frauenrechte, Selbstbestimmung, Inklusion, Integration. All diese Dinge treiben wir voran, unsere Bundeskanzlerin ist als einflussreichste Frau der Welt bekannt. Warum verstehen viele Bürger nicht, dass ein Eingreifen des Staates, wie es derzeit passiert, für unsere Gesellschaft gewöhnungsbedürftig ist. Dazu kommt der wirtschaftliche Supergau, die Verunsicherung ist daher doch absolut nachvollziehbar.

Wieviel Maßnahmen verträgt unsere Gesellschaft?! Was lösen diese Maßnahmen bei dir persönlich aus?! Wie kommst du durch die Krise?!

#Pandemie #Gesellschaft #Selbstbestimmung

Photo by Nandhu Kumar on Pexels.com

Selbstbestimmung

Selbstbestimmung. Nicht jede Form der Selbstverwirklichung und des Selbstbewusstseins ist in dem Maße von Selbstbestimmung geleitet, wie wir oft annehmen. Selbstverwirklichung ist ein wichtiger Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Wir streben nach einer Position, die das verwirklicht, was wir als annehmbar identifizieren, um ein glückliches Leben zu führen. Dafür bringen wir Opfer und Arbeit unermüdlich, wenn es sein muss ohne Pausen.

Selbstbestimmung ist die Grundlage für ein Leben in Freiheit. Wenn wir jedoch durch unsere Bedürfnisse und fehlenden Ressourcen bestimmt werden, verwechseln wir schnell unsere Möglichkeit, sich selber zu ermächtigen, über Dinge zu verfügen, mit der Freiheit, die uns Disziplin und Selbstbeherrschung auf Dauer gewähren.

Photo by Eternal Happiness on Pexels.com

Nicht unbedingt ein höheres Einkommen und ein größerer Wirkungskreis lassen unsere Selbstbestimmung wachsen. Wir sind uns der Einwirkung von fremden Glaubenssätzen und Annahmen oft gar nicht bewusst.

Wenn wir unseren alltäglichen Aufgaben nachgehen, werden wir häufig nicht gewahr, wie wichtig es ist, sich aus dem Einfluss der Anforderungen zu befreien und Zeiten zu gewähren, in denen wir Reflektieren, um herauszufinden, wohin wir wollen und was uns antreibt.

Zu der Ruhe, die für diese wichtige Pflege einer gesunden Beziehung, zu der eigenen Bestimmung, erforderlich ist, kann die bewusste Einhaltung eines Wochentages beitragen.

Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, haben gerade diese Sonn- und Feiertage mir nicht gefallen, da sie endlos erschienen. Wie Fortschrittlich erschien mir da die Technisierung und der schnelle Zugang zu Ressourcen jeder Art.

Wir sind uns nicht immer bewusst, was die Möglichkeiten und Entwicklungen bewirken und uns eben nicht nur mehr Freiheiten gebracht haben. Wenn wir alle Bedürfnisse und Wünsche zu jeder Zeit bedienen können, in einer Geschwindigkeit, die sich im ersten Moment gut anfühlen, bedeutet das nicht unbedingt, dass uns diese Möglichkeiten auch von Vorteil sind.

Der Umgang mit dieser Freiheit sollte gelernt werden, wie bei einem Säugling mit den Jahren eine Erziehung einsetzt, die dazu führt, den Zusammenhang zwischen einem Wunsch und Bedürfnis und ihrer Erfüllung und der damit einhergehenden Arbeit und dem dazugehörigen Aufwand zu begreifen.

Natürlich gibt es immer noch Bereiche, in denen klar ist, dass wir lernen müssen, auf ein Ergebnis zu warten und dafür einen entsprechenden Einsatz zu bringen. An vielen Stellen werden Entwicklungen übersprungen und verkürzt, um ein schnelleres Ergebnis zu erzielen.

Wie geht es dir mit dieser Entwicklung? Nimmst du dir bewusst Zeiten, in denen du deinen Alltag unterbrechen und dich den Einflüssen deiner Aufgaben entziehen kannst?! Gibt es etwas für das du viel Aufwand betreibst und oft in der Versuchung bist, Abkürzungen zu suchen, oder Sorge hast, dass sich der Aufwand nicht auszahlt?!

#Persönlichkeitsentwicklung #Selbstbestimmung #Freiheit

Veränderungen

Anders kann besser sein. Anders kann aber auch einfach anders sein.

Veränderungen gehören zu unserem Leben dazu. Jeder Mensch geht mit Veränderungen anders um, je nachdem, wie er das Leben wahrnimmt. Es gibt Menschen, die empfinden Veränderungen als bedrohlich und wollen das alles „beim Alten bleibt“. Andere Menschen sind ständig dabei etwas zu verändern und neigen dazu, jede Form der Festlegung zu vermeiden und sich ständig neu zu positionieren, ohne genau zu merken, wie ihnen diese ständigen Richtungswechsel genau das Gegenteil von dem einbringen, wonach sie durch ihr teils unbewusstes Verhalten eigentlich suchen.

Wenn wir uns bewusst in eine Beziehung begeben, wobei ich hier nicht nur von einer klassischen Paarbeziehung spreche, sondern von einer Situation, in die ich mich begebe, sei es die Arbeitsstelle, die Musikschule, der Verein, das Ehrenamt, eine bestimmte Stadt, eine Gruppe, kann ich mich schnell wieder entfernen, wenn ich merke, dass mir diese Veränderung nicht das gebracht hat, was ich mir davon erhofft habe. Das ist zum Teil ein Phänomen, dem wir in unserer Zeit und Gesellschaft, unterliegen. Wir gehen aus der Situation, ohne das Geschenk abzuwarten, dass uns diese Gemeinschaft geben wird, wenn wir mehr und mehr in sie hineingewachsen sind. Vertrauen braucht Zeit. Vertrautheit braucht Verbindlichkeit. Wir brauchen Verbindlichkeit und Vertrauen, um uns zu Verändern, anstelle uns permanent aus einem Prozess zu nehmen. Manchmal kommen Gefühle von Langeweile, Sinnlosigkeit und Entfremdung hervor und ich will gar nicht sagen, dass jede Situation in der wir stehen immer gut und richtig ist, nur weil sie sich nicht so anfühlt und wir alles erdulden und aushalten müssen, wenn es Dinge gibt, die uns stark stören.

Häufig gibt es jedoch Dinge, die uns in vielen Situationen und Kontexten begegnen können, obwohl wir uns immer wieder in die Veränderung begeben. Wenn wir immer die gleichen Konflikte haben, kann es sein, dass die Wahrnehmung von Situationen und unser Verhalten etwas damit zu tun hat. Es ist in Ordnung sich aus Situationen zu entziehen, die uns überfordern und nicht gut tun, aber früher oder später, werden wir uns mit manchen Dingen auseinander setzen müssen, wenn wir ehrlich sind und im Leben weiter kommen und reifen wollen.

Dann ist die Frage, ob anders wirklich das Besser ist, was wir uns erhofft habe, oder anders einfach nur wieder ein Anders sein wird, was wir eigentlich vermeiden wollten.

#Veränderungen #Persönlichkeitsentwicklung

Identität und Leistung

Viele Menschen definieren ihre Identität anhand ihrer Leistungen. Es sind bestimmte Leistungen, die uns eine gewisse Anerkennung zusichern und einen Platz in der Gesellschaft zugestehen. Die eigene Leistung als Grundlage meines Selbstbildes und Fremdbildes zu verwenden ist verlockend, aber genauso fatal, wenn es zu Leistungseinbrüchen kommt, oder wir für unsere Leistung nicht anerkannt werden.

Das kann uns sehr wütend und misstrauisch werden lassen und wir nutzen unsere Leistungsfähigkeit und Energie nicht mehr dahingehend, unseren Platz einzunehmen und durch Werte wie Treue, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein einen Beitrag zu einer stabilen und gesunden Gesellschaftsordnung zu leisten.

Viele Menschen orientieren sich an dem, was unsere Leistungen finanziell einbringen und streben Tätigkeiten an, die auch angemessen vergütet werden. Das ist eine ganz logische und sinnvolle Vorgehensweise, aber was bedeutet das für die Aufgaben, die sich unsere Gesellschaft zu stellen hat?! Was bedeutet das für all die Menschen, die davon abhängen, verlässliche, sichere und gute Versorgung zu erhalten?!

Dabei ist schon lange zu erkennen, das die Leistungen und damit verbundene Bezahlung nicht im Verhältnis einer gerechten Relation stehen.

Gerade der Dienst an anderen Menschen wird im Verhältnis so gering bewertet, das es fast schon naiv wirkt, sich freiwillig in so einen Beruf zu begeben.

Junge Menschen streben danach eine gefestigte und gut vergütete Position zu finden. Dabei werden Werte nur hochgehalten, wenn es darum geht, sich in einem guten Licht zu präsentieren und für einen bestimmten Karriereschritt Relevanz zu erhalten.

Wo führt uns all dieser Individualismus hin?

Wenn unsere Wurzeln darin gründen, unsere Identität auf verlässliche Werte und Gemeinschaftssinn zu bauen, haben wir eine gesunde Ausgangslage geschaffen, in einer Gemeinschaft zu leben, die sich auf einander verlassen und gemeinsam wachsen und florieren kann.

Andernfalls werden wir den Zerfall und die Konsequenzen einer Gesellschaft erleben müssen, die sich durch die Zunahme von ungleich verteilten Ressourcen und den Verlust der Demokratie auswirken wird.

Mein Appell richtet sich an jeden Einzelnen, seine Identität nicht auf Leistungen zu stützen, die ihren Wert alleine auf finanzielle Aspekte richtet.

Welche Rolle spielen deine Leistungen für dich?! Wie geht es dir in Zeiten, wo du deine Leistungen nicht voll einbringen kannst, oder deine Leistungen für andere Menschen nicht bedeutsam sind?!

#Leistungundgesellschaft #Identitätundleistung #Identität

Selbstverständnis

Manchmal möchte ich Schweigen. Ich möchte mich mit Stille umgeben, mich in die Sprachlosigkeit werfen und meine Worte in eine tiefe Ruhe legen, einzig um sagen zu können, was meine Worten nicht zu erreichen vermögen. Nicht mit gesprochenen Worten, sondern mit stillem Wissen und friedvoller Akzeptanz gehört zu werden. Ich möchte gehört werden, da wo es zählt, da wo es wichtig ist, bei mir. Ein Schweigen, das alles sagt. Ein Schweigen, dass alles trägt und ausfüllt, ein gutes, ein heilsames Schweigen, kein bedrohlich, vernichtendes, isolierendes Schweigen. 

Schweigen kann ein Gefängnis sein. Ich war als Jugendliche nicht in der Lage zu beschreiben, was ich in meinem Inneren erlebe. Ich habe nicht verstanden, was es mit all diesen Gedanken und Gefühlen auf sich hat, die mich häufig in eine Isolation geführt haben. Wenn wir nicht in der Lage sind, unsere Anliegen in Worte zu fassen und das was uns bewegt mitzuteilen, wird unsere Seele eine andere Möglichkeit suchen, um sich das zu holen, was sie so dringend bedarf. Es ist eines unser ureigenen, tiefen Bedürfnisse, als Menschen von anderen verstanden zu werden. 

Verstanden werden ist uns dann besonders wichtig, wenn wir selber nicht verstehen, ob wir eine richtige, oder falsche Entscheidung treffen. Wenn wir handeln müssen und sich unser Handeln fremd anfühlt, es Unwohlsein in uns auslöst, wir Bestärkung suchen, durch das Verständnis der anderen. Was löst es in uns aus, wenn dieses Verständnis ausfällt, andere uns nicht geben können, was wir in diesem Moment so dringend brauchen, Verstanden zu werden?!

Photo by Flickr on Pexels.com

Ich möchte zwei Formen das Verstehens gegenüberstellen. Verstanden werden und die Bestätigung dafür bekommen und Verstanden werden und nicht die Bestätigung dafür bekommen. Manchmal sind Menschen nicht in der Lage zu verstehen, oder wollen nicht verstehen. Ich denke der größte Konflikt zwischen zwei Menschen ist sehr häufig das mangelnde Verständnis und die daraus resultierende Spannung.

Doch kann dieses Bedürfnis auch zu einer Last werden, wenn wir nicht in der Lage sind, uns dahingehend zu entwickeln, das wir unser Verständnis bei uns selber finden. Wenn es gelingt ganz bei uns zu bleiben und eine gewisse Gelassenheit zu gewinnen, in Zeiten, wo Verständnis und Akzeptanz gerade beim anderen nicht zu erwarten sind, weil der andere gerade auch in einem Konflikt steckt und seine Position nicht aufgeben kann.

Dann ist Stille und Ruhe in sich zu suchen, eine wertvolle Ressource, die uns aus der Situation holen und neue Perspektiven eröffnen kann. Besonders wenn wir ein Gegenüber antreffen, das sich bewusst unverständig zeigt. Eine Person die behauptet, nur seine Perspektive sei realistisch und die Wahrheit. Es gibt kaum Zugeständnisse einer anderen Sichtweise und Meinung. Das Gegenüber wird systematisch klein gehalten und geredet. Das ist besonders fatal, je enger und intensiver die Beziehung zueinander besteht. Viele Menschen erleben massive Verletzungen, durch genau diesen Umgang, mit ihren Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen. Das Gegenüber lässt ihre Realität nicht gelten und verharmlost oder verzerrt im schlimmsten Falle jede Perspektive, die aufzeigt, dass seine Verhaltensweisen Leid und Unrecht ausgelöst haben.

Wie gelingt es sich von diesen Menschen abzugrenzen, wenn wir uns ihre Liebe, ihr Verständnis und Wohlwollen doch so intensiv wünschen. Wenn wir das Gefühl haben ihre Berechtigung zu brauchen, um uns wieder frei und gut zu fühlen. Dann brauchen wir dringend eine neue Perspektive und müssen uns von dieser Abhängigkeit befreien. Auch wenn der emotionale Schmerz in diesem Moment so gewaltig ist und nicht selten dazu führt, das das Vorhaben verstanden, erkannt und akzeptiert zu werden, in eine Sackgasse führt. Wenn wir ganz bei uns bleiben, uns die Berechtigung erteilen die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken ernst zu nehmen und anzunehmen, werden wir beginnen ein neues Leben zu führen. Wir werden uns befreien von der Abhängigkeit andere Urteile und unser Bedürfnis verstanden zu werden in uns begegnen können. Die Kunst sich selber zu lieben ist nicht für jeden selbstverständlich. Viele Menschen brauchen andere, die sie bestätigen und ihnen erklären, das sie wertvoll sind und werden anfällig für Missbrauch und psychische Gewalt.

Es ist ein stetiger Prozess sich in seinen Handlungen, Entscheidungen und Motiven zu überprüfen und einen gesunden Umgang mit der Meinung und Bewertungen anderer Menschen zu finden. Ich erlebe so viele Menschen, die darin gefangen sind und sich unfrei verhalten, weil sie in sich selbst keine Stabilität und Bestätigung finden.

Wie gehst du mit dem Bedürfnis verstanden zu werden um? Gibt es Bereiche in denen du unfrei bist und dich in Unruhe versetzen lässt, wenn andere dich kritisieren?

#Selbstverständnis #Selbstbewusstsein #Kritikfähigkeit

Vertrauen statt Kontrolle

Ein Richter außer Dienst beklagt, das die Rechtsprechung in Deutschland immer mehr ausgehöhlt wird. Wie häufig werden Regeln umgangen und Gesetzte gebrochen, ohne das eine angemessene Sanktion erfolgen kann.

Die Menschen fühlen sich durch die Rechtsprechung nicht mehr vertreten, gehen auf Distanz, fangen an sich zu schützen und zurückzuziehen. Aus der Perspektive des Einzelnen ist dieser Zustand erschreckend und die Angst unter den Menschen steigt, der Staat reagiert mit Verboten und Überwachung.

Gibt uns diese Überwachungs- und Verbotsmentalität wirklich Sicherheit?! Können wir mit zunehmenden Kontrollmechanismen wirklich auch Sicherheit gewinnen, oder führt diese Entwicklung nicht zu stärkerer Verunsicherung und Unmut?!

Jeder der darüber berichtet, was er beunruhigendes wahrnimmt, steht immer auch in der Gefahr als Verschwörungstheoretiker geächtet zu werden. Was hat es mit diesem Trend auf sich?! Warum zweifeln wir an Aussagen von Zweiflern?! Hier wird das Paradox sichtbar, das wir im Umgang mit unseren zunehmenden Ängsten und Unsicherheiten zeigen.

Auf welche Aussagen verlassen wir uns? Welche Information ist wirklich realitätsnah? Wo führt uns diese Flut an Informationen hin? Wo entwickeln wir uns wirtschaftlich und gesellschaftlich hin?

Vertrauen. Vertrauen ist das Gegenteil von Kontrolle. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser…“, diese Aussagen kennen wir. Ist Vertrauen nicht eine ureigene Kraft, die uns befreit, von Zwang und Kontrolle? Tatsächlich ist Vertrauen für unsere Gesundheit ganz elementar. Ohne Vertrauen können wir uns nicht fallen lassen, nicht entspannen, nicht zur Ruhe kommen.

Gleichzeit sind wir gezwungen uns mehr und mehr auf die neue Situation der Pandemie Maßnahmen einzulassen. Einlassen und auch um das Loslassen könnte man das Einlassen noch ergänzen. Können wir uns einlassen?! Hierbei beobachte ich einen Entwicklung, die unser Land in zwei Lager zu spalten scheint. Maßnahmebeführworter und Maßnahmegegner.

Feststeht, dass alles irgendwie paradox scheint, was diese Zeit mit sich bringt. In all dem zu versuchen Eckpfeiler des Vertrauens ausfindig zu machen scheint fast aussichtslos, aber nicht vergeblich.

Aber wenn wir uns bewusst machen, das Gott unser Richter ist, und der Glaube uns wie eine Festung vor allen Mächten und Gewalten bewahren kann, finden wir tiefe Stärke und Frieden, mitten in der stürmischen, ungerechten, paradoxen und unbeständigen Natur unserer gegenwärtigen Zeit.

Glaube das, stelle dich auf diese Wahrheit, wie auf einen Felsvorsprung, an dem sich die gewaltigen, zerstörerischen Wellen brechen und uns gewaltig nahe mit ihrer Urkraft in Unruhe begeben wollen. Hier genau können wir stehen, wenn wir wissen, wo unser Platz in all dem ist, wo wir sicher sind, wo wir hingehören. Dann überblicken wir wieder einen gewaltigen Plan, einen Durchbruch alter Bilder und Vorstellungen, von dem was Leben bedeutet, was wirklich wert hat, worauf es ankommt, was erwartet und geglaubt wird.

Diese Pandemie ist wie ein Vulkan der seine gewaltige Magma über eine ganze Weltwirtschaft ausgießt. Plötzlich wird das gesamte Gesicht unserer Gesellschaft in ein völlig neues Licht gestellt und die Zeit scheint rückwärts zu laufen.

Photo by Muhammad Syahroyni on Pexels.com

Die Pandemie durchkreuzt unsere Abläufe, Planungen, Errungenschaften, alles was wir haben, sind und sein werden ist von einer neuen Dynamik der Ungewissheit bedroht.

Genau jetzt ist es Zeit diese Dinge auf den Prüfstand zu stellen und sich zu fragen, was uns wirklich ausmacht, was wir wirklich brauchen, was wir erlauben uns in Unruhe zu versetzen, weil wir ihm dazu die Macht einräumen und irgendwo davon überzeugt sind, das wir das benötigen, um der zu sein, der wir sind.

Ist es nicht auch eine wahnsinnige Chance, wenn wir entdecken, wer wir sind, im Kontext von Begebenheiten, die uns an den Rand bringen, die uns verzweifeln lassen, bis wir erkennen, das wir loslassen können, Dinge an- und aussprechen, ohne Angst zu haben, was sie mit uns machen, was Menschen mit uns machen, was sie bewirken.

Was sprichst du nicht an- oder aus? Was macht dir Angst in dieser Zeit? Was hat diese Macht über dich, dass es dir deine Ruhe rauben darf? Was erlaubst du in deinem Leben? Angst, Kontrolle oder Vertrauen?!

#keineMachtderAngst #VertrauenstattKontrolle #Corvid19

Erwartungen

Erwartungen hat jede Person, in kleinen und großen Ereignissen, für die wir ein bestimmtes Ergebnis fürchten, oder wünschen.

Als Kinder sind unsere Erwartungen noch sehr weit gesteckt und wir bemühen uns als Eltern, soweit möglich, die Erwartungen unserer Kinder mit zu tragen und erfüllen.

Im Wort „Erwartungen“ finden wir das Wort „Warten“ wieder. Warten ist ein Zustand, der uns mit ganz unterschiedlichen Gefühlen erfüllt.

Es gibt immer weniger Menschen denen es gelingt, auf etwas Warten zu können. Warten verbinden wir mit lästigen Situationen, das Warten auf einen Bus, auf den Sommer, das ende der Schulstunde, hat mich als Jugendliche oft gelangweilt. Auch haben meine Klassenkameraden es kaum erwarten können endlich 18 zu werden. Mit diesem Alter verbinden wir so viele Dinge. Mit 18 ist man volljährig und kann endlich Ausgehen, so lange man das möchte und den heiß ersehnten Führerschein erwerben, der uns eben von dem vielen Warten befreit und wir, wenn wir den Zugang zu einem Auto haben, schneller und zu jeder Zeit von A nach B kommen können.

Photo by Gratisography on Pexels.com

Warten zu können ist eine wichtige Ressource, die wir kaum noch beherrschen. Wir werden immer mehr davon abgebracht uns in dieser Disziplin zu üben. Warten ist unangenehm, manchmal fast unerträglich, wenn wir es nicht kennen und in Situationen geworfen werden, die von uns verlangen, Abwarten zu können.

In vielen Situationen wird uns das Abwarten andere Ergebnisse bringen, als das schnelle Ergebnis, das wir oft präferieren. Wenn wir einen Samen in die Erde stecken, werden wir wohl kaum am nächsten Tag einen riesigen Baum erwarten und dann enttäuscht vor der Erde stehen und nach unserem Ergebnis suchen. In der Industrie wird Warten immer mehr zum Luxusgut. Wie häufig unterscheiden sich Lebensmittel, die wir zu Discounter Preisen erwerben, von Lebensmitteln, die wir in regionalen Läden unter Bioprodukten finden, schon alleine dadurch von der Qualität, weil sich bei der Produktion mehr Zeit genommen wurde?!

Das Bild von Saat und Ernte zeigt uns, das auch unser Leben oft in Zyklen verläuft, die es erforderlich machen, uns nach gewissen Umständen zu richten und im Warten zu üben. Diese Umstände werden immer häufiger umgangen. Wir leben in einer immer schneller und komplexeren Gesellschaft und lernen immer schneller ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten und verfolgen. Wer lange wartet, verliert kostbare Zeit und Geld. Warten wird als Schwäche deklariert, als Zögern und Ängstlichkeit dargestellt, die Menschen, die Erfolgreich sein wollen davon abhalten, an ihr Ziel zu gelangen.

Das macht es uns schwer, wenn wir versuchen wollen, einen Weg zu finden, den richtigen Zeitpunkt für etwas zu erkennen. Auf der einen Seite wissen wir, das Dinge Zeit brauchen um zu Reifen und in eine gesunde Entwicklung zu gelangen. Auf der anderen Seite haben wir Sorge den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und bekommen zusätzlich vermittelt, dass wir nicht zu lange Warten sollten, wenn es um einige Entscheidungen geht.

Die Ambivalenz der Widersprüchlichkeit, die inzwischen mit dem Umgang mit Warten, sich oder anderen Zeit geben, zu finden ist, löst Spannungen aus, die wir alle gelegentlich erleben.

Ich erinnere mich an die Zeit, bevor meine Töchter auf die Welt kamen. Beide haben sich Zeit gelassen und lagen über dem errechneten Geburtstermin. Besonders bei meiner Jüngeren war dieses Warten schwer zu ertragen, da meine Mutter extra angereist kam, um mich nach der Geburt eine Zeit lang zu unterstützen, worauf ich mich schon sehr gefreut und mir die Zeit sehr schön vorgestellt hatte. Meine Tochter dachte allerdings gar nicht daran, sich auf den Weg zu machen und so reiste meine Mutter ab, noch bevor ich mein Kind auf die Welt bringen konnte. Es war ein ganz komisches Gefühl, als meine Planung von der Natur der Umstände einfach über den Haufen geworfen wurde.

Ich hatte überwiegend mit Müttern Kontakt, als meine Kinder noch ganz klein waren und hörte mir gerne ihre Geschichten an und beobachte immer wieder einen Trend gerade unter Müttern, der mich beunruhigt. Für Mütter ist die erste Zeit mit den Kindern schwer, unser gesamter Alltag ist bestimmt, von den Schlaf-, Ess- und Spielphasen unserer Kinder, nach denen wir unsere Termine planen und die unser Leben voll und ganz ausfüllen. Schon wenn die Kinder ganz klein sind, können wir es kaum erwarten wieder Arbeiten gehen zu dürfen, dem Leben wir die Struktur zu geben, die wir gewohnt waren, die uns eine gewisse Sicherheit bot. In der Elternzeit scheint die Zeit rückwärts zu laufen und viele Abläufe verschwinden, wir haben keine Wochenenden mehr, keine Urlaube, keine Pausen. Pausen müssen wir uns aushandeln, mit dem Partner, den Großeltern, oder einer anderen Betreuungsperson. Wir nutzen die kleinen Schlafphasen, um etwas Zeit zugewinnen, das zu tun, was uns gerade einfach gut tut. Manche Mütter Schlafen dann auch, aber das ist mir damals nie gelungen, ich war einfach nur dankbar für etwas Zeit für mich.

Heute geht der Trend dahin, das wir immer schneller Erwartungen an unsere Kinder stellen. Wir wollen sie erfolgreich in diese komplexe Welt entlassen und merken gar nicht, was wir unseren Kinder damit rauben. Die immer dichteren Wochenpläne, die schon Kindergartenkinder in einen Rhythmus zwingen, der jede Freizeit nur noch in kleinen Fragmenten zulässt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, wie wichtig es ist, das Kinder freie Spielzeiten erhalten und möglichst viel Zeit haben, um ihre Welt durch entdecken und ausprobieren anzueignen. Auch das Warten können wird immer schwerer vermittelbar, wenn jedes Drängeln und Nörgeln, die Eltern, die von ihrem Spagat zwischen Beruf- und Elternarbeit meist nicht mehr die Kraft aufbringen, diesem Drängen standzuhalten, schnell beseitigt wird. So erhalten Kinder häufig nicht die Gelegenheit diese wertvolle Ressource zu erlernen, die uns im Leben mit Sicherheit mehr Erfolg bescheren wird, als die Fähigkeiten, die unsere Kinder durch teure Kurse und Freizeitgestaltung, vermittelt werden.

Immer häufiger neigen Eltern dazu, ihre Kinder in einen strengen Zeitplan zu stecken, aus Angst und Erwartung, sonst nicht genug für seine Entwicklung getan zu haben. Oft bekommen wir diese Entwicklung weg von einer entspannten Freizeitgestaltung und Freiräumen, die wir unseren Kinder immer mehr verwehren, gar nicht mit, weil wir uns mehr an anderen Eltern orientieren, als uns bewusst ist.

Welche Erwartungen leiten uns, wenn wir uns in bestimmten Entscheidungen Zeit lassen?! Wenn wir eben nicht schnell noch die nächste Karrierestufe ansteuern, nicht sofort versuchen einer Situation zu entkommen, die sich für uns gerade nicht so gut anfühlt, die uns gerade nicht das Ergebnis liefert, das wir meinen verdient zu haben?!

Wie gehst du mit Erwartungen um? Sind deine Erwartungen positiv oder von Angst und Sorge geprägt?

#Erwartungen #Warten