Erwartungen

Erwartungen hat jede Person, in kleinen und großen Ereignissen, für die wir ein bestimmtes Ergebnis fürchten, oder wünschen.

Als Kinder sind unsere Erwartungen noch sehr weit gesteckt und wir bemühen uns als Eltern, soweit möglich, die Erwartungen unserer Kinder mit zu tragen und erfüllen.

Im Wort „Erwartungen“ finden wir das Wort „Warten“ wieder. Warten ist ein Zustand, der uns mit ganz unterschiedlichen Gefühlen erfüllt.

Es gibt immer weniger Menschen denen es gelingt, auf etwas Warten zu können. Warten verbinden wir mit lästigen Situationen, das Warten auf einen Bus, auf den Sommer, das ende der Schulstunde, hat mich als Jugendliche oft gelangweilt. Auch haben meine Klassenkameraden es kaum erwarten können endlich 18 zu werden. Mit diesem Alter verbinden wir so viele Dinge. Mit 18 ist man volljährig und kann endlich Ausgehen, so lange man das möchte und den heiß ersehnten Führerschein erwerben, der uns eben von dem vielen Warten befreit und wir, wenn wir den Zugang zu einem Auto haben, schneller und zu jeder Zeit von A nach B kommen können.

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Warten zu können ist eine wichtige Ressource, die wir kaum noch beherrschen. Wir werden immer mehr davon abgebracht uns in dieser Disziplin zu üben. Warten ist unangenehm, manchmal fast unerträglich, wenn wir es nicht kennen und in Situationen geworfen werden, die von uns verlangen, Abwarten zu können.

In vielen Situationen wird uns das Abwarten andere Ergebnisse bringen, als das schnelle Ergebnis, das wir oft präferieren. Wenn wir einen Samen in die Erde stecken, werden wir wohl kaum am nächsten Tag einen riesigen Baum erwarten und dann enttäuscht vor der Erde stehen und nach unserem Ergebnis suchen. In der Industrie wird Warten immer mehr zum Luxusgut. Wie häufig unterscheiden sich Lebensmittel, die wir zu Discounter Preisen erwerben, von Lebensmitteln, die wir in regionalen Läden unter Bioprodukten finden, schon alleine dadurch von der Qualität, weil sich bei der Produktion mehr Zeit genommen wurde?!

Das Bild von Saat und Ernte zeigt uns, das auch unser Leben oft in Zyklen verläuft, die es erforderlich machen, uns nach gewissen Umständen zu richten und im Warten zu üben. Diese Umstände werden immer häufiger umgangen. Wir leben in einer immer schneller und komplexeren Gesellschaft und lernen immer schneller ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten und verfolgen. Wer lange wartet, verliert kostbare Zeit und Geld. Warten wird als Schwäche deklariert, als Zögern und Ängstlichkeit dargestellt, die Menschen, die Erfolgreich sein wollen davon abhalten, an ihr Ziel zu gelangen.

Das macht es uns schwer, wenn wir versuchen wollen, einen Weg zu finden, den richtigen Zeitpunkt für etwas zu erkennen. Auf der einen Seite wissen wir, das Dinge Zeit brauchen um zu Reifen und in eine gesunde Entwicklung zu gelangen. Auf der anderen Seite haben wir Sorge den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und bekommen zusätzlich vermittelt, dass wir nicht zu lange Warten sollten, wenn es um einige Entscheidungen geht.

Die Ambivalenz der Widersprüchlichkeit, die inzwischen mit dem Umgang mit Warten, sich oder anderen Zeit geben, zu finden ist, löst Spannungen aus, die wir alle gelegentlich erleben.

Ich erinnere mich an die Zeit, bevor meine Töchter auf die Welt kamen. Beide haben sich Zeit gelassen und lagen über dem errechneten Geburtstermin. Besonders bei meiner Jüngeren war dieses Warten schwer zu ertragen, da meine Mutter extra angereist kam, um mich nach der Geburt eine Zeit lang zu unterstützen, worauf ich mich schon sehr gefreut und mir die Zeit sehr schön vorgestellt hatte. Meine Tochter dachte allerdings gar nicht daran, sich auf den Weg zu machen und so reiste meine Mutter ab, noch bevor ich mein Kind auf die Welt bringen konnte. Es war ein ganz komisches Gefühl, als meine Planung von der Natur der Umstände einfach über den Haufen geworfen wurde.

Ich hatte überwiegend mit Müttern Kontakt, als meine Kinder noch ganz klein waren und hörte mir gerne ihre Geschichten an und beobachte immer wieder einen Trend gerade unter Müttern, der mich beunruhigt. Für Mütter ist die erste Zeit mit den Kindern schwer, unser gesamter Alltag ist bestimmt, von den Schlaf-, Ess- und Spielphasen unserer Kinder, nach denen wir unsere Termine planen und die unser Leben voll und ganz ausfüllen. Schon wenn die Kinder ganz klein sind, können wir es kaum erwarten wieder Arbeiten gehen zu dürfen, dem Leben wir die Struktur zu geben, die wir gewohnt waren, die uns eine gewisse Sicherheit bot. In der Elternzeit scheint die Zeit rückwärts zu laufen und viele Abläufe verschwinden, wir haben keine Wochenenden mehr, keine Urlaube, keine Pausen. Pausen müssen wir uns aushandeln, mit dem Partner, den Großeltern, oder einer anderen Betreuungsperson. Wir nutzen die kleinen Schlafphasen, um etwas Zeit zugewinnen, das zu tun, was uns gerade einfach gut tut. Manche Mütter Schlafen dann auch, aber das ist mir damals nie gelungen, ich war einfach nur dankbar für etwas Zeit für mich.

Heute geht der Trend dahin, das wir immer schneller Erwartungen an unsere Kinder stellen. Wir wollen sie erfolgreich in diese komplexe Welt entlassen und merken gar nicht, was wir unseren Kinder damit rauben. Die immer dichteren Wochenpläne, die schon Kindergartenkinder in einen Rhythmus zwingen, der jede Freizeit nur noch in kleinen Fragmenten zulässt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, wie wichtig es ist, das Kinder freie Spielzeiten erhalten und möglichst viel Zeit haben, um ihre Welt durch entdecken und ausprobieren anzueignen. Auch das Warten können wird immer schwerer vermittelbar, wenn jedes Drängeln und Nörgeln, die Eltern, die von ihrem Spagat zwischen Beruf- und Elternarbeit meist nicht mehr die Kraft aufbringen, diesem Drängen standzuhalten, schnell beseitigt wird. So erhalten Kinder häufig nicht die Gelegenheit diese wertvolle Ressource zu erlernen, die uns im Leben mit Sicherheit mehr Erfolg bescheren wird, als die Fähigkeiten, die unsere Kinder durch teure Kurse und Freizeitgestaltung, vermittelt werden.

Immer häufiger neigen Eltern dazu, ihre Kinder in einen strengen Zeitplan zu stecken, aus Angst und Erwartung, sonst nicht genug für seine Entwicklung getan zu haben. Oft bekommen wir diese Entwicklung weg von einer entspannten Freizeitgestaltung und Freiräumen, die wir unseren Kinder immer mehr verwehren, gar nicht mit, weil wir uns mehr an anderen Eltern orientieren, als uns bewusst ist.

Welche Erwartungen leiten uns, wenn wir uns in bestimmten Entscheidungen Zeit lassen?! Wenn wir eben nicht schnell noch die nächste Karrierestufe ansteuern, nicht sofort versuchen einer Situation zu entkommen, die sich für uns gerade nicht so gut anfühlt, die uns gerade nicht das Ergebnis liefert, das wir meinen verdient zu haben?!

Wie gehst du mit Erwartungen um? Sind deine Erwartungen positiv oder von Angst und Sorge geprägt?

#Erwartungen #Warten

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