Die „kleinen Dinge“

Menschen nehmen an, was sie aus ihren Erfahrungen gelernt und wie sie sich die Wirklichkeit angeeignet haben. Einige neigen dazu, bei schlechten Erfahrungen automatisch zu versuchen, so viel wie möglich im Voraus zu planen und kontrollieren. Dieses Verhalten kann sehr ungesund werden, wenn sie nicht erkennen, dass sie eben nicht in der Lage sind, alles zu kontrollieren. Die Dinge können sich unterschiedlich entwickeln und das Gefühl der Kontrolle kann irreführend sein und Entwicklungen sogar hemmen, anstatt sie voranzutreiben.

In der Erziehung von Kindern, nehme ich dieses Kontrollverhalten immer häufiger wahr. Egal in welchem Bereich, Eltern wollen die Kontrolle haben, sie wollen jede Fehlentwicklung vermeiden und nichts dem Zufall überlassen.

Das die Einstellung dieser Eltern, Kinder in die Defensive zwingt und sie durch die Entmündigung ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstwirklichkeit einbüßen, scheint nicht erkannt zu werden. Wenn etwas nicht gut läuft, sind gerne die anderen, oder das eigene Kind schuld.

Vertrauen ist eine wertvolle Fähigkeit, die ich dieser Entwicklung mal gegenüber stellen möchte. Vertrauen in mein Umfeld, meine Kinder, sogar die Politik.

Natürlich soll Vertrauen hier nicht gleichgesetzt werden mit Gleichgültigkeit und Ignoranz.

Die Themen, denen wir derzeit gegenüber stehen, mit denen wir zurechtkommen müssen, fordern uns stark die Orientierung nicht zu verlieren und zu erkennen welchem Weg wir folgen, wie wir uns positionieren, wem wir Vertrauen.

Meine Bekannte hat Personen in ihrem Umfeld gesucht, die einfach Lust und Interesse hätten, an einer kleinen Aktion teilzunehmen. Dabei geht es um kleine „Wichtelgeschenke“, in einem materiellen Wert von etwa 10 € zusammen zu stellen und an eine Person zu versenden, die uns die Bekannte als Kontakt zuschickt. Der Wert der Geschenke ist dabei eher unbedeutend, viel mehr geht es um die Geste, die Wertschätzung und liebevolle Gestaltung des Geschenkes, die ausschlaggebend sind und eine gute Stimmung rüberbringen sollen.

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Es bleibt dabei nicht nur, dass wir ein Geschenk zusammenstellen, wir werden dann auch selber so ein Geschenk erhalten, wenn die Personen, die wir für die Aktion gewinnen, auch Personen gewinnen, die teilnehmen. Die Aktion hat keine kapitale Bedeutung, es ist eine kleine Geste, ein Freundschaftsdienst, etwas Abwechslung in dieser grauen Pandemiezeit.

Es geht dabei nicht um eine bestimmt Gruppe, die dieses Paket bekommen soll. Für Bedürftige hätte es durch ihre Lage vielleicht einen höheren Wert. Es geht nicht darum irgend einer Not zu begegnen, oder eine soziale Problemlage abzumildern. Nein, es ist keine dieser Aktionen, es geht nicht darum Spenden zu sammeln, Teil eines großen Projektes zu sein und einen tieferen Sinn zu erfahren, von dem wir dann berichten könnten. Die Aktion ist lediglich eine dieser „Kleinen Dinge“, die das Leben freundlich machen sollen, nicht mehr und nicht weniger.

Interessant finde ich dabei die Reaktion einiger Freundinnen und Bekannte, die die Aktion leider abgelehnt haben, aus Angst vor dem, was sie dabei erhalten könnten. Eine hat sogar Sorge, dass sie dadurch Ungeziefer in ihre Wohnung aufnimmt und etwas in einem Geschenk verdorben sein könnte. Natürlich ist ihre Sicht neutral betrachtet verständlich, ich will ihre Sorge keineswegs verspotten, finde es lediglich schade, wie solche Sorgen und Ängste Menschen abhalten, sich auf diese banale Aktion einzulassen.

Weiterhin sollte der Gedanke an dem, was dabei für mich „herausspringen“ mag nicht der Fokus sein, der mich leitet, wenn ich mich an einer Geschenke Aktion beteilige. Mir hat der Gedanke ausgesprochen gut gefallen, etwas besonders auszusuchen und zu hoffen, dass es der Person Freude bereitet und gefällt. Ich finde die Aktion passend für diese graue, angespannte Zeit, in der wir von Krankheit, Unsicherheit und Verzicht umgeben sind. Gerade jetzt ist ein wenig Leichtigkeit, Freude, Ablenkung und ein freundliches Wort, eine liebevolles Geschenk, Zuhören, Achtsamkeit, Anteilnahme unglaublich wertvoll.

Einige Bekannte berichteten mir, dass sie sehr gerne an dieser Aktion teilgenommen hätten, in ihrem Freundeskreis aber auf so viel Misstrauen, Ablehnung und Verachtung gestoßen sind, dass ihnen die eigene Freude an dieser Idee und der damit verbundenen Vorfreude daran, andere zu beschenken und sich auf einen ungewissen Austausch einzulassen, absolut vergangen ist.

Die wenigstens waren bereit sich einzulassen und konnten ohne Vorbehalte dieses Spiel als das sehen, was es eigentlich sein sollte, eine Geste der Freundlichkeit und des Miteinanders, in dem sich Menschen gegenseitig beschenken.

Es ist traurig, wie wenige Menschen heute noch frei sind, den Wert kleiner Gesten und Geschenke zu erfahren, da sie sofort damit rechnen, dass die Geste einen Haken haben müsse und sie in Gefahr sind.

Dennoch wünsche ich euch, den Zauber kleiner Gesten zu erleben und kleine Lichter anzuzünden, einander kleine Dienste zu erweisen. Sei es die aufgehaltene Tür, ein entgegengenommenes Paket, ein Lächeln, ein freundliches Wort, oder ein ernst gemeintes Kompliment. Für manche Menschen ist die Menschlichkeit überlebenswichtig, die sie vielleicht so lange schon nicht mehr erfahren haben.

Wann hast du zuletzt kleine Gesten verwendet, um einen Menschen zu vermitteln, dass er wertvoll ist?!

#Freundschaftsdienst #kleineDinge #Gesundheit #Mitmenschlichkeit

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