Hunger

Seit einiger Zeit überlege ich mir, wann ich eine Zeit des Fastens einlegen könnte. Vorsorglich habe ich mir ein Fastepaket von Hildegard von Bingen bestellt, wodurch das Fasten kein kompletter Verzicht auf Nahrung bedeutet und lediglich Genussmittel und tierische Produkte ausgeschlossen werden. Hildegard von Bingen hat Nahrungsmittel ausgewählt, die eine Fastenkur unterstützen können und dem Körper helfen, besser zu Arbeiten.

Meine Tochter behauptete sofort, dass es sich bei dieser Fastenart eher um eine Diät handle, mein Partner wollte gänzlich, dass ich auf das Fasten verzichte, da er sich sorge, wie ich ohne Nahrung meinen Alltag bewältigen wolle.

Ja, so stoße ich bereits bei der Planung auf eine Menge Widerstand und mir wird klar, es ist gar nicht so leicht für mich, eine Fastenzeit einzulegen, wenn ich die Verantwortung für so einige Bereiche nicht abgeben und vernachlässigen möchte.

Eine Erklärung zum Begriff des Fastens finden wir in Wikipedia: Fasten, als christlicher Begriff, das „(fest)halten, streng beobachten, bewachen“, der Gebote der Enthaltsamkeit.

Es ist grade jetzt eine gute Zeit zu Fasten. Wir stecken mitten in einer Krise und wissen nicht, wie sich diese Zeiten auf unser Leben auswirken werden. Wir sind gezwungen auf Lebensbereiche zu verzichten, die zu Entspannung und Wohlbefinden beigetragen haben. Ein großer Teil, unseres selbstverständlichen Wohlstands, ist nun nicht mehr zugänglich.

Viele Ablenkungen und Begegnungen sind in weite Ferne gerückt.

Wir sind antriebslos, verwirrt, verunsichert, oder wütend, weil wir bewältigen müssen, was da gerade mit uns passiert, was wir nicht steuern können. Wir haben Hunger nach Sicherheit, Gewissheit, Erklärungen, Strategien und unserem Leben, so wie wir es vor dieser Krise kennen. Unvorstellbar, was es bedeutet, dass wir diese Krise annehmen lernen sollen und unser Leben neu anpassen müssen.

Diese Auszeit konnten wir zu Beginn noch ganz gut integrieren. Wir haben uns im Homeoffice eingerichtet, sind Wandern gegangen, haben ausgemistet und von Weitem den Kopf geschüttelt, über die Italiener und Spanier, die mit einem kollabierendem Gesundheitssystem zurechtkommen mussten.

Auch das Fasten führt uns in eine harte Probe. Werden wir standhalten und uns mit der aufkommenden Unruhe und dem Unwohlsein zu Beginn arrangieren können?! Wie schwer fällt es uns aus eigenem Antrieb zu verzichten, wenn wir umgeben sind von Fülle und Wohlstand.?! Kennen wir den Genuss, eben diese Phase überwunden zu haben und an einen Punkt zu gelangen, wo wir uns gestärkt fühlen und befreit?!

Womit befriedigen wir unseren Hunger nach Lebendigkeit?! Was machen wir mit unserer Angst vor dem Unbekannten?! Stellen wir uns tot, kämpfen wir oder fliehen wir uns in Beschäftigungen, die uns ablenken?! All diese Dinge sind legitim und sinnvoll, bis zu einem gewissen Maß. Fasten ist nur eine Möglichkeit, mit dieser Krise umgehen zu lernen. Was ist deine Strategie?!

Womit füllen wir unsere Unruhe, unser Unbehagen und unseren Hunger?! Woran halten wir uns fest?!

#Krisenzeit #Fastenzeit #Hunger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: